1.30h morgens. Das leise Tröten eines Elefanten weckt uns. Die Elefantengruppe, die gestern Abend den Fluss überquert hat, ist wohl zurückgekommen und versucht gerade, ins Hinterland zu kommen. Das Tröten des Elefanten war wohl das Zeichen, das unsere Campsite nicht als Durchgang geeignet ist. Stattdessen nutzt die große Gruppe die von uns rechts und links leer stehenden Campsites für den Aufstieg, natürlich nicht, ohne einen kleinen Snack auf dem Weg einzunehmen. Eine gute Stunde hören wir die Elefanten an uns vorbeigehen, Rascheln hier, Geschmatze dort.
Elefanten brummen. Es ist ein tiefes, völlig beruhigendes Brummen. Unser Feuer ist schon lange ausgeglüht und so können wir nur hören. Elefanten-Surround-Sound pur. Wir sind von den Tieren umringt. Ein toller Abschluss für Ihaha, denke ich noch und schlafe irgendwann viel später wieder ein.
Zwischen 5.30 und 6h morgens wacht alles auf. Und zwar sehr lautstark. Normalerweise zwitschern, schreien und krakelen die Vögel mit allem, was ihnen zur Verfügung steht. Bevor dies passiert, werde ich durch ein "Muh" geweckt und traue meinen Augen nicht. Die Wiese zwischen unserer Campsite und dem Fluss ist voller Kaffernbüffel, die ihr Frühstück einnehmen. Ein weiteres "Muh" des Leittieres und innerhalb von 2 min ist die Wiese leer. Unglaublich. Leider war es viel zu dunkel, um ein Foto zu machen.
Uns fällt der Abschied genauso schwer wie in Savuti und deswegen lassen wir uns besonders viel Zeit, am Chobe ein letztes Mal zu frühstücken, bevor wir alle Sachen zusammengepackt haben uns losgefahren sind. Auf dem Weg Richtung Ausgang sind wir natürlich auch ein letztes Mal die Water Loop entlang gefahren, um uns von Elefanten, Warzenschweinen, Impalas, Büffeln und natürlich den Löwen zu verabschieden.
Auf dem Weg zur Toro Lodge kommen wir an Kasane vorbei. Leider ist hier die Tankstelle vor einige Zeit abgebrannt und so müssen wir 10km weiter nach Kagonzula fahren, um Sprit zu bekommen. Hier herrscht Andrang wie in der Nachkriegszeit :) Die Wartezeit macht uns aber wenig aus, denn: der geneigte Leser achte bitte auf die dortigen Dieselpreise...
In der Toro Lodge angekommen erfahren wir, dass wir die einzigen sind, die die Chobe Bootstour machen wollen und man verweist uns an die Garden Lodge. Klasse, da lernen wir Gabi und Phil ja doch noch kennen.
Die Fahrt ist klasse. Wir sehen zwar nicht so viele Tiere wie an den Vortagen, aber der Perspektivenwechsel von Land zu Wasser macht alles wett. Allerdings war anschließend klar, dass eine Flussfahrt einen Gamedrive ergänzen, aber keinesfalls ersetzen kann.
Die Nacht war grässlich. Man kann sich an die Tiergeräusche und der sonstigen Stille sehr gewöhnen. Die Toro Lodge, in der wir für zwei Tage abgestiegen sind, ist alles andere als leise. Das liegt aber nicht an der Lodge, sondern an dem Umfeld. Es ist Freitag Abend. Und was passiert Freitags sehr oft, egal, wo man sich auf der Welt befindet? Genau: Party!
Also durften wir so ziemlich die ganze Nacht irgendwelchen Rhythmen lauschen, Leuten, die sich laut unterhielten oder stritten und nicht zuletzt dem permanenten Gekläffe und Geheule der ortsansässigen Hunde. Das Sahnehäubchen war ein geistesgestörter Hahn, der um 2.30h anfing zu krähen - lange bevor es hell wurde. Die Hähne im Umkreis stimmten dann gleich ein und somit war die Geräuschkulisse perfekt. :) Ole, ole!

Heute heißt es Abschied nehmen von Savuti. Uns hat die Gegend mit den Tieren außerordentlich gut gefallen. Bevor wir losfahren, wollen wir aber noch an unser inzwischen favorisiertes Wasserloch fahren, an dem wir gestern auch die Löwen gesehen hatten. Das hieß, noch früher aufzustehen. Um 5h klingelte der Wecker und los ging es. Wir waren wohl die ersten, die auf Pirschfahrt gingen. Es ist erstaunlich, was 30 Minuten ausmachen können. Wir haben auf dem Weg zum Wasserloch sehr viele Tiere gesehen, die wir in den vergangenen Tagen suchen mussten. Sie standen einfach am Wegesrand :) : kleinere Kuduherden, Giraffenfamilien, u.v.m.
Am Wasserloch angekommen, wartete bereits ein Elefant auf uns. Ein zweiter gesellte sich hinzu und wir konnten beobachten, wie die Elefanten das von der Wasserquelle bevorzugt haben (es ist ein künstlich angelegtes Loch). Während die beiden tranken, traf eine Gunuherde mit etwa 30 Tieren ein und wartete geduldig, bis die beiden Elis endlich fertig waren. Gnus sind sehr schreckhafte Tiere und es dauerte, bis sie endlich den Mut gefasst hatten, sich dem Wasserloch zu nähern.*

Irgendwann wurde es Zeit, uns von dem Wasserloch und deren Besuchern zu verabschieden. Wir sind zurück ins Camp und haben noch kurz gefrühstückt. Ich habe noch ein paar Panoramaaufnahmen (Anm.: die werden zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht) von Savuti gemacht und dann hieß es wirklich: Auf Wiedersehen Savuti.
Der Weg Richtung Ihaha ist beschwerlich. Wer meint, dass die in den Karten eingezeichneten Hauptstraßen unseren Hauptstraßen ähneln, hat sich geirrt, zumindest, was die Nationalparks angeht. Die ersten 70-90km waren reine Sandpiste, die irgendwann zu einem Pad wurden und die bei Ngoma zu einer Teerstraße wurde.
Unsere Wasservorräte wurden knapp und so mussten wir zunächst in Kasane für Nachschub sorgen. Kasane ist ein nettes Städtchen, aber wir wollten hier nur Vorräte bunkern und zurück in die Natur. Wir kommen eh in wenigen Tagen hierhin zurück.
Als wir in den Chobe Nationalpark einfuhren, sah der zunächst sehr aufgeräumt aus. Kein Holz lag am Wegesrand herum und es schien, als hätte jemand die Zwischenräume zwischen den Sträuchern gefegt :)
Als wir nach einigen wenigen Kilometern dieses "gefegten" Weges direkt an den Chobe herangefahren sind, war es ein ungeahnter Anblick.
Ich bin kein religiöser Mensch, aber hier drängten sich Begriffe wie "Paradies", "Garten Eden" oder "Arche Noah" einfach auf. Auf einem weiten Feld, das durch den Chobe durchtrennt wurde, befanden sich riesige Elefantenherden, die im Wasser spielten oder fraßen. Warzenschweine, Löwen, unzählige Vögel, Büffelherden in einer riesigen Anzahl an Tieren wanderten durch diese Ebene. Für alle war Platz. Wer die Trockenheit Moremis oder Savutis erlebt hat, bei der die Tiere keinesfalls genug Wasser hatten und sie in einer recht kargen Savannenlandschaft (die zweifelsfrei einen anziehenden Charme hat), ist Chobe eine Art Offenbarung.
Auf dem Weg zu unserem Ziel "Ihaha Camp", sahen wir unzählige Tiere: Löwen, Kudus, Impalas, Zebras, Elefanten, Pavianfamilien, Kaffernbüffel und Touristenbomber. Wieder einmal mehr haben wir uns beglückwünscht, alleine unterwegs zu sein.
Anm. Kristin: Wir konnten außerdem noch ein einzigartiges Beispiel für den sozialen Zusammenhalt in dieser Gnu-Herde erleben, als nämlich - ganz am Schluss der Herde, die fertig getrunken hatte und schon wieder weiterzog - zwei alte oder kranke Herdenmitglieder auftauchten, die unendlich langsam und vorsichtig zum Wasserloch nachschlappten. Um sie aber nicht alleine den Gefahren der Umgebung auszusetzen (in unmittelbarer nähe wussten wir ja jetzt von den Löwen), blieben das Leittier und sein (wir nannten es) "Offizier" so lange bei den Beiden, bis auch diese getrunken hatten. Und das zog sich wirklich ewig hin, denn die Gnus schraken bei jedem auch kleineren Tier, das ans Wasserloch kamen, wieder zurück und mussten sich dann erst wieder lange versichern, bevor sie einen neuen Versuch starteten. Dabei versuchten sie das Leittier und sein "Offizier" immer wieder auch dazu zu animieren, warteten aber ansonsten einfach nur völlig geduldig. Diese Geduld mit Kranken und schwächeren Mitgliedern müssen wir Menschen erstmal hinkriegen!