Der letzte Urlaubstag ist immer ein wenig ein verlorener Urlaubtag. Der Flug geht erst am frühen Abend los. Die Koffer sind gepackt und im Mietwagen verstaut. Wir lassen uns Zeit und nachdem wir erst am späten Vormittag ausgecheckt haben, gehts noch einmal zur V&A Waterfront. Hier genießen wir ein letztes Mal den Trubel und den Blick auf den Tafelberg, der sich mit Tischdecke von uns verabschiedet.
Frühzeitig sind wir am Flughafen, denn wir rechnen mit stärkeren Kontrollen. Eine gute Idee, wie sich herausstellen sollte. Die Sonne geht fast unter, als der Flieger Richtung Heimat abhebt.
Zusammenfassend war dies die beeindruckenste Reise bisher, nicht zuletzt, weil wir sie individuell geplant und durchgeführt haben. Südafrika ist ein sehr beeindruckendes und vielseitiges Land, mehr als die Länder, die wir zuvor besucht hatten. An jeder Ecke ist eine optimistische Aufbruchsstimmung zu spüren, auch wenn man von einem "Aufbruch" an vielen Stellen noch nichts erkennen kann.
Als Tourist habe ich mich unter Einhaltung verschärfter Vorsichtsmaßnahmen sehr sicher gefühlt und hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, in eine bedrohliche Situation zu kommen.
Leider hat der Virus Afrikanum zugeschlagen und mich voll erwischt. Hierhin komme ich zurück, soviel ist sicher.
Das Wetter ist heute nicht sonderlich gut. Dennoch steht heute der Ausflug nach Paarl auf dem Programm. Kaum ist man aus Kapstadt raus, scheint das Sicherheitsproblem nicht mehr sehr groß zu sein. Wir sehen keine hohen Elektrozäune mehr, die die Häuser sichern sollen. Stattdessen sehen wir einen ganz anderen Baustil: holländisch. Wie zuvor an anderen Orten stellen wir mal wieder fest, dass die Besatzer der Kolonialzeit deutliche Spuren hinterlassen haben.
Es regnet immer stärker und das Land versinkt hinter einem grauen Schleier. Das Taal Monument wird so völlig unattraktiv und wir beschließen, zurück zu fahren und eine Mall zu besuchen, die uns auf der Hinfahrt aufgefallen ist.
Wie es sich herausstellt, handelt es sich um eine riesigese Einkaufsmeile, wogegen das CentrO in Oberhausen trotz seiner beeindruckenden Größe eher klein wirkt. Die Geschäfte sind Luxus pur. Wir fragen uns, wer hier rauskommt, um diese teuren Gegenstände zu erwerben, bzw. wer überhaupt sich so etwas leisten kann. Die Masse wird es bestimmt nicht sein. Das Wetter wird wieder besser und wir erkunden die Außenanlagen, die nicht minder beeindruckend sind. Um die Mall führt ein künstlich angelegter Kanal, auf dem Tretboote fahren können. Dieser Luxus steht meiner Meinung nach im krassen Gegensatz zum allg. Bevölkerungseinkommen.
Der Abend gehört wieder der V&A Waterfront. Hier müssen noch einige leckere Restaurants ausprobiert werden.
Ein Blick vom Hotel Richtung Tafelberg zeigt, dass heute DER Tag ist, um ihn zu besuchen. Also ab ins Auto und los geht es. Der Aufstieg erfolgt mit einer Seilbahn und wir werden sanft nach oben geschoben. Der Blick Richtung Kapstadt ist atemberaubend. Wir überblicken die ganze Stadt zwischen dem Berg und dem Atlantik. Wir suchen und finden die Punkte, die uns bereits bekannt sind. In der Ferne kann man Robben Island sehen.
Auf dem Tafelberg leben die niedlichen Rock Dassies. Wir nehmen die aufgestellten Schilder ernst, auf denen vor der Bissigkeit der possierlichen Tierchen gewarnt wird und so versuchen wir erst gar nicht, die scheinbar zutraulichen Fellknäulchen zu streicheln.
So schön es auch hier oben ist, so schnell wandelt sich das Wetter. Innerhalb weniger Minuten wandelt es sich und wir stehen in dichtem Nebel. Genaugenommen stehen wir mitten in einer Wolke. Weiter als fünf Meter kann man nicht mehr sehen.
Dies ist unser Zeichen und wir begeben uns zur Seilbahn, die uns wieder nach unten fährt.
Den restlichen Tag verbringen wir in der Innenstadt von Kapstadt, gehen shoppen und bestaunen die interessanten Gebäude.
Wenn man schon in Kapstadt ist, gehört ein Besuch am Kap der Guten Hoffnung obligatorisch zum Programm. Wir machen uns auf den Weg bei herrlichstem Sonnenschein. Der Weg ist recht einfach zu finden. Wir fahren an der Küste entlang und machen einen Stopp in Simonstown. Hier liegt der Boulder's Beach mit einer Pinguinkolonie. Pinguine am Festland und dazu in unmittelbarer Nähe von Menschen ist sehr, sehr selten. Die Pinguine haben offensichtlich auch keinerlei Berührungsängste. An den für Menschen freigegebenen Abschnitt tummeln sich auch vereinzelt Pinguine und ignorieren die anderen Badegäste.
In dem für Gäste nicht freigegebenen Strandabschnitt lebt die Pinguinkolonie. Hier ist es den Besuchern nur gestattet, über die eigens angelegten und abgezäunten Stege zu laufen. Die Jungpinguine haben noch teilweise ihr flaumiges Fell und werden von ihren Eltern beschützt.
Boulder's Beach ist ein Muss auf einer Südafrika-Tour.
Wir machen noch einen kurzen Stopp im Pengui Point Restaurant. Dort können wir sehen, wie ein Pinguin quer über den Parkplatz watschelt, um dann unter einem Auto aus unserem Sichtfeld zu verschwinden. Da macht der große Aufkleber "Please look for Penguins underneath your car before driving off" richtig Sinn, den wir auf der Heckklappe eines Pickups entdecken.
Weiter gehts zum Kap der Guten Hoffnung. Der letzte km vor dem Kap ist als Naturschutzgebiet deklariert, das (wie soll es auch anders sein) eintrittspflichtig ist. Dieser ist aber moderat und weiter gehts.
Auch wenn nur ein Schild davon zeugt, dass man nun wirklich am Kap der Guten Hoffnung angekommen ist und die Gegend lediglich sonst eher zum Wandern einlädt. bekomme ich ein sehe wohliges Gefühl. Das sagenumwogene Kap - und ich stehe nun wirklich hier.
Auch dieser Besuch ist ein Muss.
Ruhe ist angesagt. Die letzten Wochen waren durch viel Zeit im Auto geprägt. Heute ist Enspannung angesagt: ausschlafen, in der letzten Sekunde zum Frühstücksbuffet, Strand und Pool, ein Spaziergang am Strand. Sehr nett.
Kapstadt wir kommen!
Aber vorher schauen wir noch in Hermanus vorbei. Mit viel Glück sehen wir Wale. Die Jahreszeit ist günstig. Dort angekommen geht es gleich zum Strand. Und tatsächlich: in ca. 100m Entfernung sehen wir etwas Großes und als sich eine Flosse aus dem Wasser hebt, ist klar, dass es sich um einen großen Meeressäuger handelt. Mehr war dann leider doch nicht zu sehen und wir erkunden das kleine Städtchen. An der Promenade sehen wir ein interessantes Schild "Feeding of Whales Prohibites" ist in weißen Buchstaben an den Zaun gepinselt. Es gibt sie also doch und zwar auch in unmittelbarer Nähe :)
Bevor wir unser Hotel in Kapstadt finden, passieren wir ein riesiges Gebiet mit Wellblechhütten. Es ist erschütternd und lässt die eigene Lebenssituation in einem reellen Licht erscheinen. Wie oft höre ich zuhause, wie schlecht es uns geht. Typisch deutsch halt...
Das Hotel liegt direkt am Strand. Von hier aus kann man den Tafelberg sehen. Der Tafelberg. Wir werden ihn bestimmt noch erscheinen. Es ist für mich etwas Besonderes, Dinge mit eigenen Augen zu sehen, die ich zuvor nur auf Abbildungen gesehen habe.
Es ist schon später Nachmittag. Wir haben eingecheckt und sind auf dem Weg zur V&A Waterfront, über die wir bereits viel gelesen haben.
Bei unserer Tour wurde offensichtlich, dass die Umgebung vom Stil her immer europäischer wurde, je westlicher wir kamen. In Kapstadt scheint das Zentrum zu sein. Die V&A Waterfront ist vergleichbar mit dem CentrO in Oberhausen, nur das die Gegend um Kapstadt um einiges attraktiver ist. :)