Im Reiseführer von Iwanowski stand, dass Jo'burg ein gefährliches Pflaster ist und dass man es eigentlich lieber verlassen solle, damit einem nichts passiert. Dies deckte sich mit Informationen, die ich im Internet gefunden habe.
Diesen Rat haben wir auch befolgt, haben den Mietwagen in Empfang genommen, der uns die nächsten Wochen begleiten sollte und los gings. Dies war meine erste Tour mit einem rechtsgelenkten Fahrzeug und so wollte ich naturgemäß zur Belustigung der Dame von Europcar erst links einsteigen.
Nach den ersten Schwierigkeiten musste ich feststellen, dass Linksverkehr nicht schwierig ist. Allein die Koordination mit Blinker- und Scheibenwischerhebel machte mir ein wenig zu schaffen. Schließlich sind diese beiden verdammten Hebel vertauscht und während der ersten Woche ist es mir das ein oder andere Mal passiert, dass der Scheibenwischer anzeigte, dass ich abbiegen wollte.
Südafrika ist vom Verkehrsaufkommen und von der Anzahl an möglichen Wegen sehr übersichtlich. Wer aus dem Ruhrpott kommt, ist ganz andere Dinge gewohnt. Umso besser für mich, denn so konnte ich mich zum einen an den Linksverkehr gewöhnen und zum anderen die Landschaft genießen, ohne Angst zu haben, dass ein kleiner Fahrfehler im dichten Verkehr zu ungeahnten Schwierigkeiten führen konnte.
In Pretoria angekommen haben wir das Hotel "Court Classique" sehr schnell gefunden. Es war sehr modern eingerichtet und leicht verwinkelt gebaut. Sehr pfiffig. Nach dem Einchecken wurden Kamera und Unterlagen in den Rucksack gepackt und los ging es. Naiv wie wir waren, sind wir direkt zum naheliegenden Parlamentsgebäude gegangen. Die anfängliche leichte Angst vor dem Unbekannten wich schnell der puren Neugier, auch wenn die meterhohen elektrisch gesicherten Zäune sehr befremdlich waren, die die Häuser vor Eindringlingen schätzen sollten. Man sieht, dass die Kriminalität und der Sicherheitsstandard in diesem Land ein anderes Niveau haben als bei uns im sicheren Deutschland.
Das Parlamentsgebäude ist ein sehr schönes, auf einem kleinen Hügel gebautes Gebäude. Hat man diesen Hügel einmal erklommen, bekommt man einen kleinen Überblick über die Stadt.
Es war später Nachmittag und es dämmerte langsam. Wir sind noch ein wenig weiter gegangen und habe uns eine kleine Shopping Mall angeschaut. Beim Verlassen kam ein kleiner Laden gerade recht, bei dem wir uns mit Wasser für den Abend im Hotelzimmer eingedeckt haben. Beim Verlassen des Geschäftes kam es zu einem Zwischenfall. Wir wurden Zeuge, wie sich ein Farbiger mit einem Weißen gestritten hat, als plötzlich der Farbige seinen Gegner mit einer Flasche angegriffen hat, die an seinem Unterarm zu Bruch ging. Sicherheitskräfte waren sofort zur Stelle. Wie die Sache ausgegangen ist, kann ich nicht sagen, denn wir haben es vorgezogen, den Ort zu verlassen und zurück ins Hotel zu gehen.
Die Liste mit den Dingen, die wir mitnehmen müssen, ist sorgfältig abgearbeitet und so sind alle Sachen in den Koffern und Taschen verstaut. Ein letzter Check nach Kamera, Filmen und Unterlagen und los gehts. Die erste selbstgeplante Tour in einem wirklich weit entferntem Land konnte beginnen.
Der nächstgelegene Flughafen ist Düsseldorf. Da es von dort keine Direktflüge nach Johannesburg gibt, machen wir einen kleinen Umweg nach Heathrow und von dort aus kommt der große Sprung Richtung Süden.
Dies verlief auch alles problemlos... bis irgendwann über Marokko der Pilot fragte, ob sich ein Arzt an Bord befände. Statistisch gesehen gibt es auf JEDEM Flug ein Mediziner an Bord. Nur nicht auf unserem.
Dem kranken Passagier ging es offenbar so schlecht, dass der Pilot mitten über Marokko den Kurs änderte und Richtung Malta flog. Es schien also dringend zu sein. Allerdings war die Maschine noch voll getankt und so konnte oder durfte er wohl nicht landen. Also ließ er über der lybischen Wüste etliche Tonnen Kerosin ab, damit der Vogel landen konnte.
Malta ist eine kleine Insel mit einem kleinen Flughafen. Nachdem der Flieger gelandet und der Passagier in ein Krankenhaus gebracht wurde, stellte sich die Frage, wie man mitten in der Nacht so viele Tonnen an Kerosin herbekommt, damit die Reise nach Johannesburg fortgeführt werden konnte. An einem kleinen Flughafen wie der in Malta gibt es keine Kerosin-Pipelines, sondern ein Flugzeug muss mit einem herkömmlichen Tankwagen betankt werden.
Zu dumm, dass während der Betankung die elektrischen Systeme und somit auch die Klimaanlage im Flugzeug abgestellt werden musste. Es wurde immer heißer im Flieger und es ging und ging nicht los.
Irgendwann war alles erledigt und wir konnten wieder starten. Mit vier Stunden Verspätung kamen wir dann in Johnnesburg an.