Heute sind wir ein wenig früher aufgestanden, um Sonnenaufgangsfotos zu bekommen. In direkter Nähe unserer Camspite haben wir ein nettes Plätzchen für unsere Fotos gefunden. Anschließend ging es um den Leopard Loop und Sunday Loop. Zurück sind wir über das Deception Valley gefahren. Auch heute bestätigt sich unser Eindruck: landschaftlich ist die Kalahari sehr reizvoll, aber Tiere bleiben weitestgehend aus. Ein paar Impala hier, ein paar Oryx Antiliopen dort. Wir hoffen ein wenig auf den kommenden Tag.
Nach einem netten Frühstück auf unserer Campsite geht es los zu unserer nächsten Station: Sunday Pan. Wir haben den Weg als Pirschfahrt ausgelegt und eine entsprechende Zeit für die Strecke eingeplant. Auf dem Weg dorthin fuhren wir an der Tau Pan vorbei, deren Campsite geschlossen wurde, weil dort eine Lodge errichtet wurde. Die wollten wir uns mal genauer anschauen.
Die verlassene Campsite war intakt und der Ausblick in die Tau Pan zu verführerisch, sodass wir kurzerhand beschlossen haben, hier die Nacht zu verbringen. Auch wenn ich mich wiederhole: landschaftlich gesehen ist die Zentralkalahari sehr schön, nur die Tiere blieben aus. Ein Tourist (nebenbei das einzige fremde Fahrzeug des heutigen Tages) aus Botswana verriet uns, dass es ein wenig Glücksache sei, ob man Tiere sehen kann. Normalerwise sei die Kalahari voller Tiere, aber ab und an sei sie wie leergefegt. Da haben wir uns ja genau den richtigen Zeitpunkt ausgesucht. Am Gate wurde diese Information später verbessert. Dort hieß es dann, dass die meisten Tiere in der Regenzeit in der Zentralkalahari zu finden sind.
Wir ließen uns unsere Laune nicht verderben und haben einen ruhigen Nachmittg eingelegt. Zeit genug, um ein mitgebrachtes Buch zu lesen und den Reisebericht zu schreiben. Gibt es einen besseren Ort als die Tau Pan, den Stress der letzten Wochen abzulegen und sich neu zu fokussieren?
Auf der morgentliche Pirschfahrt konnten wir zwar nicht viele Tiere beobachten, wurden aber mit der eigenen Schönheit der Landschaft der Kalahari belohnt. Ein paar Oryx Antilopen hier, vereinzelte Impalas dort, das war es auch schon. Die Löwen vom vorigen Tag waren nicht mehr dort, wo wir sie gestern gesehen hatten.
Wir haben uns um 10h zum Frühstück auf der Camp Site verabredet und genossen einfach nur die Landschaft und freuten uns, in wieder Afrika zu sein. So schön dieser Ort auch ist, aber der kommende Ort wartet bereits auf uns. Also hieß es: spülen, zusammenpacken und Aufbruch.
Eine Bemerkung sind die sanitären Einrichtung vor Ort. Es gibt kein Wasser in der Zentralkalahari. Es muss genügend Brauchwasser für alle Bedürfnisse mitgeführt werden. Jede Campsite ist mit einer Dusche und einer Toilette ausgestattet. Die Toilette besteht aus einer Sickergrube, die Dusche aus einem Eimer mit einem im Boden montierte Duschkopf. Wir hatten eine Solardusche an Bord. Es ist unglaublich, mit wie wenig Wasser man auskommen kann, ohne die hygienischen Bedürfnisse zu vernachlässigen.
Gegenverkehr ist hier nicht vorhanden. Eigentlich ist kaum jemand hier. Wir begegnen auf unserer Fahrt nur einem weiteren Fahrzeug. Die Leere der Landschaft ist sehr erholsam. Wem es im Moremi oder in Savuti noch nicht einsam genug ist, sollte hierher kommen. Die Luft ist von einem süßen Duft erfüllt. Das liegt wahrscheinlich an den unzähligen Sträuchern mit gelben, flauschigen und kugeligen Blüten.
Nach der strapaziösen Strecke des gestrigen Tages folg heute eine vergleichsweise ruhige Piste auf dem Weg zum Leopard Pan. Sicherlich werden wir durchgeschüttelt - das gehört zum Programm, aber die Heftigkeit ist nicht vergleichbar. Auf unserem Weg können wir sehr gut erkennen, dass die Wege während der Regenzeit nicht immer einfach sein können. Die tiefen und ausgefahrenen Fahrrinnen erzählen von dem einen oder anderen fahrerischen Drama, das hier stattgefunden haben muss.
Gegen 17h erreichen wir unsere Campsite für heute: Leopard Pan. Auf unserem Weg haben wir kaum Tiere gesehen. Gelegentlich lief uns ein Oryx oder ein Impala über den Weg. Insgesamt war es aber die Landschaft, die uns beeindruckt hat und die wir genossen haben. Im Camp selbst haben wir eine kurze Pause bei einem kühlen Drink eingelegt, um dann gegen 17:30h nochmals auf Pirschfahrt über den Leopard Loop zu begeben.
heutiges Fazit: wenig Tiere, dafür umso beeindruckendere Landschaft
Vor Sonnenaufgang klingelt der Wecker. Wir haben heute einiges aufzuholen. Der ursprüngliche Plan, bis nach Ghanzi zu fahren, hatte sich wegen des Defekts am Auto in Luft aufgelöst. Bis Ghanzi sind es etwa 200 km. Hier kaufen wir noch einige wenige Sachen ein und holen am Geldautomaten (ATM) botswanische Pula. Es ist Samstag und der ganze Ort scheint auf den Beinen zu sein. Autos mit großen montierten Lautsprechern auf den Dächern fahren durch die Straßen und verkünden das Wahlprogramm eines Kandidaten. Offensichtlich wird hier bald gewählt.
Wir machen uns auf Richtung Xade. Hier ist der Eingang zum CKGR (Central Kalahari Game Reserve). Laut unserem Kartenmaterial erwarten uns einige schwer zu fahrende Passagen. Das Material scheint aber nicht auf dem neusten Stand zu sein, denn die "schweren Passagen" bleiben die bis New Xade aus. Eine gut gepflegte Schotterstraße erlaubt uns, mit 90-100km/h die Strecke zu bestreiten. Bei einem kurzen Zwischenstopp freuen wir uns über unser Glück und fragten uns schon, wie die Zeitangaben in den gedruckten Karten von Tracks4Africa zustande gekommen sind.
Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Was uns ab New Xade erwartet, sind 150 Kilometer teilweise übelste Sandstrecke, die es schwierig machen, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20km/h zu erreichen. Hier ein kleiner Eindruck von der Strecke:
Das Xade-Gate ist unbesetzt... also tragen wir uns schlicht eigenmächtig in das Besucherbuch ein und fahren weiter. Die Strecke wird nicht besser und der Nachmittag neigt sich langsam dem Ende zu. Nach einer langen, anstrengenden und sehr strapaziösen Fahrt kommen wir dann kurz nach Sonnenuntergang in der Piper's Pan an. Damit sind wir wieder im Plan, auch wenn wir die Zentralkalahari bisher nicht in einem Gamedrive genießen konnten.
Auf den letzten Metern zu unserer Campsite werden wir von einem entgegegen kommenden Fahrzeug auf ein Rudel Löwen aufmerksam gemacht, dass in kurzer Entfernung zu sehen sei. Dies können wir uns nicht entgehen lassen! Auch wenn es bereits zu dunkel für ein Foto ist, entschädigt der Anblick von zwei männlichen, einem weiblichen und mehreren jungen Löwen für die Strapaze des heutigen Tages. Auch in unserer heutigen, sehr technisierten und infrastrukturell gut organisierten Welt haben wir - den Tag des Fluges mitgerechnet - drei Tage gebraucht, um in unser Zielgebiet zu gelangen. Wenn es hilft, die Natur hier zu bewahren, ist es gut so.
Der beschwerliche Weg in die Piper's Pan hat Folgen: wir mussten den Verlust von sechs Savanna und einer Flasche Wasser beklagen.
Etwas richtig vernünftiges hat in den letzten drei Tagen niemand von uns gegessen. Umso mehr freuen wir uns auf ein Lagerfeuer und Grillen. Das Brüllen eines Löwen untermalt unseren ersten Abend am Feuer, als wir den Tag bei einem (verspäteten) Sundowner ausklingen lassen.
Die Nacht war fürchterlich. Ich beneide jeden, der beim Nachtflug im Sitzen schlafen kann. Wir wurden wie verabredet von einem Mitarbeiter unseres Autovermieters abgeholt und zur Autoübergabe gefahren. Dummerweise waren unsere Autos noch nicht fertig. Auch mussten wir dieses Mal auf die bereits bestellte Batterie für den Kühlschrank bestehen und nochmals ein wenig länger warten. So gerne ich bei Hubert Hester die Autos miete, dies war keine Glanzleistung.
Gabi hatte im Vorfeld einiges für uns eingekauft, sodass wir einige Gänge in Windhoek nicht erledigen mussten. Nachdem wir einige zusätzliche Stationen wie "Kalahari Meat" oder einen Supermarkt wegen frischer Lebensmittel angefahren sind, konnten wir endlich gegen 16.30h losfahren. Wir hatten ein ehrgeiziges Ziel vor uns. Zwar hatten wir uns wegen der verspäteten Wagenübergabe uns davon verabschiedet, bis nach Ghanzi in Botswana zu fahren, aber bis zum Camp Bushbreak in der Nähe der Botswanischen Grenze sollten wir es schaffen. Entfernung: knapp 300 km über den Trans Kalahari Highway.
Das erste Problem mit unserem Fahrzeug (Dietmar und meins) trat nach etwa 100km von Windhoek entfernt auf. Volker und Roland signalisierten uns, dass wir anhalten sollen und berichteten uns über Gestank nach Gummi. Eine kurze Wagenbeschau identifizierte das linke Hinterrad als Problemherd. Ein kurzer Anruf bei Hubert Hester und eine (nebenbei bemerkt zutreffende) Ferndiagnose ergab eine falsch eingestellte Bremse. Er schickte uns einen Mechaniker und wir verabredeten uns an der Kreuzung Ormitara/Kalahari Highway.
Es wurde bereits dunkel. Uns passierten etliche Autos, deren Insassen uns neugierig betrachteten. Wir konnten nichts tun außer warten. Etwa 1,5h nach unserem Anruf kam der Mechaniker, der das Problem in weiteren 30 Minuten behoben hat. Unsere Frage war, was wir nun tun sollten. Weiterfahren? Die nächste Campsite anfahren?
Nach einer kleinen Beratung entschlossen wir uns, bis zum Camp "Bush Break" in der Nähe der Botswanischen Grenze zu fahren, auch wenn der Wildwechsel in Namibia nicht zu unterschätzen ist. Gerade Warzenschweine mit ihrem grauen Fell erkennt man so gut wie nicht und es gibt einige in Namibia.
Gegen 23h kamen wir an der Campsite an. Zu unserer freudigen Überraschung machte man uns auf und nach kurzen Formalitäten konnten wir unsere Campsite beziehen. Wir gingen recht schnell schlafen, denn morgen erwartet uns eine weitere Mammuttour zur Piper's Pan in der CKGR (Zentralkalahari).
In meinem Zelt musste ich noch an den unvergleichlichen Sternenhimmel denken, den wir beim Warten auf den Mechaniker in absoluter Dunkelheit bei Ormitara genießen durften.
Schweren Herzens aber dennoch voller Vorfreude verabschiede ich mich von meiner Frau und meinem kleinen Sohn, denn heute geht's los: die Reise nach Afrika, genauer gesagt: die Reise in die Zentralkalahari, dem Okavango Delta und der Chobe Region. Die letzten Wochen waren reichlich stressig und ich hatte kaum Zeit, mich mit der Reise zu beschäftigen oder so etwas wie Vorfreude zu entwickeln. Selbst, als ich morgens meine Kiste gepackt habe (dazu später mehr), war es noch eher eine Pflichtübung, um das Problem mit der Gewichtsbegrenzung des Fluggepäcks zu lösen, als dass ich Urlaubsvorfreude entwickelt habe. Je näher ich dem Flughafen Frankfurt kam, desto aufgeregter wurde ich. Schließlich fahre ich einem unbekannten Abenteuer entgegen. Erstmalig begebe ich mich auf so eine Tour, ohne jeden Teilnehmer zu kennen.
Mit von der Partie sind Roland, Volker, Gabi, Thomas und Dietmar - alles Mitglieder des Namibia-Forums. Roland und Volker hatte ich bereits bei unserer Tour 2007 zufällig an einem Wasserloch bei Savuti kennengelernt, Gabi bei einem Forumstreffen an Pfingsten. Thomas und Dietmar kannte ich vor der Reise nicht persönlich, auch wenn wir während der Vorbereitung recht häufig per Skype Kontakt hatten.
Da mir die Anreise mit Bahn oder Flugzeug zu kostspielig erschien, habe ich für vergleichbar wenig Geld einen Parkplatz bei www.am-flughafen.de gebucht. Der Vorgang war denkbar einfach und sehr gut organisiert. Ein Shuttle-Service brachte mich in wenigen Minuten zum Flughafen. So muss ein Urlaub beginnen.
Den ersten meiner unbekannten Reisebegleiter habe ich gleich nach meiner Ankunft kennengelernt: Dietmar. Wir hatten einen recht großen Zeitpuffer eingeplant und nutzten die Gelegenheit uns kennenzulernen. Zu einem (sehr viel) späteren Zeitpunkt kamen noch Roland und Volker hinzu und wir nutzten die Zeit zum Check-In um uns in heiterer Runde auf unseren Urlaub vorzubereiten.
Jetzt ist es 23:14h, ich sitze in Reihe 21D - erstmalig kein Platz am Fenster - und habe soeben gehört, dass der Flug erst mit einer 25 Minütigen Verspätung starten wird. Mir scheint, als hätte ich ein Deja Vu, denn genau dasselbe ist mir in der letzten Woche passiert, als ich nach einer Dienstreise im Flieger von München nach Düsseldorf saß. Also bleibt mir nichts anderes übrg, als auf den LCD-Monitor ein paar Reihen vor mir zu starren, due Uhrzeit zu lesen und zu erkennen, dass 5046 Meilen (8121 km) vor uns liegen. Afrika, ich komme!
Nachtrag: kurz vor Mitternacht rollt der Flieger endlich zur Startbahn. Boarding war um 22:00h...
Nachtrag 2: In Vorfeld sind mir einige negative Berichte über Air Namibia zu Ohren gekommen. Die kann ich nicht bestätigen. Das Personal war freundlich und aus meiner Sicht war genügend Beinfreiheit in der Economy Class vorhanden.