Vor Sonnenaufgang klingelt der Wecker. Wir haben heute einiges aufzuholen. Der ursprüngliche Plan, bis nach Ghanzi zu fahren, hatte sich wegen des Defekts am Auto in Luft aufgelöst. Bis Ghanzi sind es etwa 200 km. Hier kaufen wir noch einige wenige Sachen ein und holen am Geldautomaten (ATM) botswanische Pula. Es ist Samstag und der ganze Ort scheint auf den Beinen zu sein. Autos mit großen montierten Lautsprechern auf den Dächern fahren durch die Straßen und verkünden das Wahlprogramm eines Kandidaten. Offensichtlich wird hier bald gewählt.
Wir machen uns auf Richtung Xade. Hier ist der Eingang zum CKGR (Central Kalahari Game Reserve). Laut unserem Kartenmaterial erwarten uns einige schwer zu fahrende Passagen. Das Material scheint aber nicht auf dem neusten Stand zu sein, denn die "schweren Passagen" bleiben die bis New Xade aus. Eine gut gepflegte Schotterstraße erlaubt uns, mit 90-100km/h die Strecke zu bestreiten. Bei einem kurzen Zwischenstopp freuen wir uns über unser Glück und fragten uns schon, wie die Zeitangaben in den gedruckten Karten von Tracks4Africa zustande gekommen sind.
Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Was uns ab New Xade erwartet, sind 150 Kilometer teilweise übelste Sandstrecke, die es schwierig machen, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20km/h zu erreichen. Hier ein kleiner Eindruck von der Strecke:
Das Xade-Gate ist unbesetzt... also tragen wir uns schlicht eigenmächtig in das Besucherbuch ein und fahren weiter. Die Strecke wird nicht besser und der Nachmittag neigt sich langsam dem Ende zu. Nach einer langen, anstrengenden und sehr strapaziösen Fahrt kommen wir dann kurz nach Sonnenuntergang in der Piper's Pan an. Damit sind wir wieder im Plan, auch wenn wir die Zentralkalahari bisher nicht in einem Gamedrive genießen konnten.
Auf den letzten Metern zu unserer Campsite werden wir von einem entgegegen kommenden Fahrzeug auf ein Rudel Löwen aufmerksam gemacht, dass in kurzer Entfernung zu sehen sei. Dies können wir uns nicht entgehen lassen! Auch wenn es bereits zu dunkel für ein Foto ist, entschädigt der Anblick von zwei männlichen, einem weiblichen und mehreren jungen Löwen für die Strapaze des heutigen Tages. Auch in unserer heutigen, sehr technisierten und infrastrukturell gut organisierten Welt haben wir - den Tag des Fluges mitgerechnet - drei Tage gebraucht, um in unser Zielgebiet zu gelangen. Wenn es hilft, die Natur hier zu bewahren, ist es gut so.
Der beschwerliche Weg in die Piper's Pan hat Folgen: wir mussten den Verlust von sechs Savanna und einer Flasche Wasser beklagen.
Etwas richtig vernünftiges hat in den letzten drei Tagen niemand von uns gegessen. Umso mehr freuen wir uns auf ein Lagerfeuer und Grillen. Das Brüllen eines Löwen untermalt unseren ersten Abend am Feuer, als wir den Tag bei einem (verspäteten) Sundowner ausklingen lassen.
In jeder Rezeption des Etosha Parks gibt es ein Buch, in dem Besucher ihre Beobachtungen verzeichnen können. Dort haben wir gestern entdeckt, dass häufig viele Sichtungen von Löwen am Wasserloch "Okondeka" vorgekommen sind. Also ist dies heute das erste Ziel. Um 6.20h wird das Tor geöffnet und los geht es!
Morgens ist alles noch so ruhig. Viele Tiere scheinen mit dem Sonnenaufgang erst aufzuwachen und so geht alles gemächlich voran. Die Giraffe am Wegesrand frühstückt und lässt sich durch mich nicht beeindrucken. Kurz vor "Okondeka" sehe ich sie: Löwen! Zwei männliche und ein offensichtlich schwangeres weibliches Tier. Sie gehen 3 Meter an meinem Auto vorbei und lassen sich in einiger Entfernung unter einem Baum nieder.
Während ich dies hier tippe (S18°99.439' E15°51.866') sehe ich auf "Okondeka" und tausende Vögel fliegen um mich herum, um ihre Mahlzeit für den Tag zu fangen - oder einfach um wie wild herumzufliegen.
Zurück im Camp geht es wild am Wasserloch zu. Eine Herde Elefanten sind angekommen und haben die unzähligen Impalas, Kudus und Oryx-Antilopen kurzerhand vertrieben. Erst einmal in Besitz genommen, baden und spielen die Dickhäuter ausgelassen. Vor allem den Kleinen ist ein deutlicher Spieltrieb anzumerken. Eigentlich bin ich zurück ins Camp um zu frühstücken, aber das wird kurzerhand in ein Brunch umgewandelt. Die Elefanten sorgen für den einen oder anderen Lacher. So macht ein Kleiner es einem Großen nach und läuft munter auf eine Gruppe Impalas zu, um sie zu verscheuchen. Man kann ihm anschließend anmerken, wie er sich wegdreht und gelegentlich einen verstohlenen Blick in Richtung der scheuen Tiere wirft, um das Ganze zu wiederholen. :)
Nach dem Brunch geht es heute mal in den westlichen Teil des Parks. Ich fahre die scheinbar endlose Strecke zum Wasserloch "Ozonjuiti m'Bari". Das ist das für Normaltouristen der westlichste Punkt, den man anfahren darf. Weiter geht es nur mit einem speziellen Permit.
Am Wasserloch angekommen, herrscht hier Chaos. Impalas, Gnus, Zebras, Giraffen, Strauße und Oryxe in einer nicht zu überblickenden Anzahl sind rund um das Wasserloch versammelt und wollen trinken.
Auf dem Weg zu diesem Wasserloch musste ich allerdings feststellen, dass der Zugang zu den Wasserlöchern Adamax, Natco und Leebron gesperrt ist und man keinen Zugang hat. Sehr schade.
Abends war wieder Brot backen im Potjie angesagt. Leichter gesagt als getan, denn Bungalows nahe am Wasserloch haben keine Feuerstelle. Wir haben uns daher hinter das Haus verzogen, um sowohl Kohlen für den Potjie anzufeuern als auch ein Feuer für den Grill zu schüren.
Die abendliche Show am Okaukuejo Wasserloch war wie immer abwechslungsreich. Giraffen, Elefanten, Hyänen und sogar eine Löwin fanden sich ein, um ihren Durst zu stillen. Die Hierarchie zwischen den Tieren wird sehr deutlich. Die Elefanten mögen de Löwen nicht (wahrscheinlich wegen ihrer Jungtiere). Die Nashörner mögen als Einzelgänger eh niemanden, schon gar keinen ihrer eigenen Art. Und das alles vor der Haustür.
Wir packen alles zusammen und fahren Richtung Okaukuejo. Die Straße ist wie leergefegt. Es sind kaum Tiere in Sicht, egal, welches Wasserloch wir anfahren. Hier ein paar Impalas, dort vereinzelt ein Zebra.
Kurz bevor wir in Okaukuejo ankommen, sehen wir schon von weitem weitere Elefanten am Wasserloch "Nebrowni". Hier hat der Schlamm die Farbe von Kalk und so sehen die eingeschlammten Elefanten alle aus wie Gipsstatuen, als sie nach ihrem Bad regungslos in der Sonne stehen, um zu trocknen.
In Okaukuejo habe ich ein Luxus-Bungalow gemietet, um näher am Wasserloch zu sein. Vor vier Jahren war es so, dass man ein ganzes Haus bekommen hat. nach der Renovierung ist das nicht mehr so. Das Haus ist in der Mitte geteilt worden und jede Parte hat quasi eine Doppelhaushälfte. Diese Doppelhaushälfte besteht aus einem Schlafzimmer und einem Bad. (Anmerkung: Panoramabild folgt) In dem Schlafzimmer ist ein Kühlschrank untergebracht. Eine Anrichte für das Zubereiten von Mahlzeiten oder eine Spüle gibt es nicht. Offensichtlich geht die Parkverwaltung davon aus, dass jemand, der sich diese Unterkunft leistet, grundsätzlich im Restaurant essen geht. Ebenso fehlt eine Feuerstelle. Es mag jedoch sein, dass im Rahmen der Renovierung, die noch nicht abgeschlossen ist, eine Feuerstelle vorgesehen ist.
Nach dem Einchecken, der Schlüsselübergabe und einer kurzen Inspektion des hauseigenen Wasserlochs fahren wir los Richtung "Olifantsbad". Kaum sind wir da, sehen wir eine Giraffe trinken. Das ist ein bis dahin eher seltener Anblick in dieser Reise. Mir ist noch nicht klar, was Giraffen aufschrecken lässt. Autos und deren Geräusche scheint es nicht unbedingt zu sein.
Das Gate schließt um 18.50h und so müssen wir wieder los. Auf dem Weg zum Camp sehen wir, dass alle Elefanten weitergezogen sind. Just in time passieren wir das Gate, bevor es hinter uns geschlossen wird. :)
Am Wasserloch des Camps stehen einige Giraffen unschlüssig herum und inspizieren es argwöhnisch. Wir beschließen, einen kurzen Imbiss vorzubereiten und den Abend am Wasserloch zu verbringen. Als wir zurückkommen, ist es passiert. Die Giraffengruppe trinkt. Es sind neun Tiere, die sich an das Wasser begeben haben. Giraffen haben kaum Feinde. Die gefährlichste Aktion für sie ist das Trinken. Damit sie ihren langen Hals zum Boden bewegen können, müssen sie ihre Vorderbeine spreizen. In dieser Position sind sie angreifbar. Dementsprechend nervös sind sie. Ihre Trinkphasen werden oft durch Aufschrecken und plötzliches Aufrichten unterbrochen. Dabei erschrickt nie die ganze Gruppe, wie es in anderen Herden üblich ist, sondern jedes einzelne Tier hat offensichtlich individuelle Warnsignale, auf die es reagiert. Dementsprechend lange dauert die Prozedur.
Es geht zu wie bei einer Tankstelle. Nachdem die Giraffen die Bühne verlassen hatten, kommen zwei Nashörner, danach eine Hyäne und ein Elefant.