Das war es. Etosha ade! Ich glaub nicht, dass wir noch einmal diesen Park besuchen werden. Bevor wir uns unserem nächsten Ziel zuwenden, fahren wir zu dem Baum, den ich gestern bei meiner Rundfahrt entdeckt habe und der sich als Sonnenaufgangsbild eignet. Es is ein wenig bewölkt. Dazu kommt, dass der Tor-Guard es sehr genau nimmt mit dem Aufschließen des Tores zur angegebenen Zeit. Ich sah schon alle Hoffnung auf ein gutes Sonnenaufgangsbild schwinden. Aber es hat gerade alles gepasst. Die Sonne stand im besten Winkel am Himmel, die Wolken haben sich kurzzeitig verzogen und so bekam ich mein Bild. Eigentlich sollte es dann gleich wieder zurück zum Camp gehen. Wir mussten schließlich noch alles zusammenpacken. Stattdessen ging es noch einmal kurz entschlossen zum Wasserloch "Okondeka". Schließlich leben da Löwen. Trotz einigen Wartens konnten wir die Szene von gestern nicht wiederholen, bei der das Löwenrudel an meinem Auto vorbeiging. Wir bekamen in einiger Entfernung noch einen männlichen Löwen zu Gesucht. Das war für uns ein gelungener Abschied von Etosha.
Nachdem wir kurzerhand alles zusammengepackt hatten, erwartete uns Okonjima. Auf dem Weg aus dem Park standen Giraffen, Zebras und Impalas Spalier, um uns zu verabschieden. Damit sollte der Teil unserer Reise mit wilden, nicht kontrollierten und unabhängigen Tieren enden. Bei dem Gedanken wurde es mir schon schwer ums Herz, wenngleich uns neue aufregende Dinge erwarten.
In Okonjima angekommen fühlen wir uns gleich wohl. Die Atmosphäre, die dort geschaffen wir, ist einfach grandios. Bis zur Pirschfahrt zu den Geparden und dem anschließenden Sundowner ist noch ein wenig Zeit, die wir für Fotos und Panoramen nutzen und um uns ein wenig umzuschauen. Paul - unser Führer auf dieser Tour macht seine Sache sehr gut. Ein wenig schade finde ich, dass die Geparden nicht mehr auf das Auto springen, um ihre Fleischration zu bekommen, auch wenn ich Paul Recht geben muss, was die schwierige Konditionierung von Geparden und Autos in Bezug auf das Futter betrifft.
Der Himmel zieht sich zu und es beginnt leicht zu regnen. Unglaublich in mehrerer Beziehung. Zum einen sind wir nicht ohne Absicht im trockensten Monat hierhin gereist - und zwar um Wolken und Regen die ganzen vier Wochen aus dem Wg zu gehen. Jetzt regnet es schon zum zweiten Mal innerhalb unserer Reise. Erst in Moremi und jetzt hier. Auf der anderen Seite ist das der erste Regen seit April und wir durften ihn miterleben. Und so wird der Sundowner halt in der Lodge eingenommen. Wir lernen wieder eine Menge nette, interessante, offene und freundliche Menschen kennen und der Abend endet mit einem wilden Erfahrungsaustausch an Reiseerfahrungen und Tipps.
Irgendwann in der Nacht hörte es auf zu regnen. Meine Hoffnung, dass der Wind die Wolken bis zum kommenden Morgen vertrieben hat, wurde nicht erfüllt. Wir haben beschlossen, uns heute ein wenig Zeit zu lassen und alles zu ordnen, was wir gestern in der Hektik bei der Flucht vor dem Regen einfach in das Auto geworfen hatten. So langsam kam die Sonne wieder heraus und bot uns einen tollen Blick über den Kwai River.
Gegen 9.30h brachen wir in Richtung Savuti auf. Auf dem Weg dorthin haben wir nicht den Main Track, sondern den Weg gewählt, der direkt am Kwai River entlang führt. Das dauert zwar erheblich länger, aber schließlich sind wir hier im Urlaub und niemand drängelt uns. Der Umweg wurde belohnt. Wir sahen Wasserbüffel, Hippos und viele andere Tiere auf dem Weg, ganz von dem atemberaubenden Anblick der Landschaft abgesehen. Direkt am Fluß gibt es so viel Leben. Die Sonne kam immer mehr heraus und tauchte die Landschaft in ein weiches Licht.
Der gestrige Regen, so unschön er auch gewesen sein mag, half uns auf dem Weg. Die recht sandige Strecke war nun feucht und ließ sich einfach befahren. Der Weg Richtung Savuti teilt sich in zwei mögliche Wege: die Marsh Route und die Sand Ridge. Wir wählten die 4 km längere Marsh Route. Zunächst schien es keine gute Idee gewesen zu sein, denn der Weg war durch den Regen recht matschig und teilweise engkurvig. Unsere Entscheidung wurde dennoch belohnt. Auf dem Weg sahen wir eine Herde Elefanten. Kurz bevor sich beide Wege wieder vereinen, gab es etwas wirklich Spektakuläres! Wir konnten zwei Geparden in 150m Entfernung beobachten, die langsam auf uns zukamen und den Weg keine 100m von uns entfernt passierten. Als ich ausstieg, um bessere Fotos zu bekommen, wurden wir zwar neugierig beobachtet, aber letztlich ignoriert.
In Savuti angekommen eröffnete uns der Ranger, dass die Campsite belegt sei, die wir gebucht hatten. Es wären zu viele unangemeldete Besucher gekommen, dass begonnen wurde, die bisher noch nicht bezogenen Sites zu vergeben.
Na toll.
Wir haben unseren Obolus für den Parkeintritt bezahlt und haben uns auf eine Diskussion mit den Besetzern eingestellt. Es handelte sich um ein südafrikanisches Familientreffen mit fünf Autos. Sie eröffneten uns, dass sie eh am kommenden Morgen weiterziehen wollten und so haben wir uns einfach eine Campsite daneben niedergelassen, die seltsamerweise unbesetzt blieb. Wir haben uns gut mit den Südafrikanern unterhalten und bekamen sogar als Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten noch ein wenig Wurst zum Grillen, auch wenn das nicht nötig gewesen wäre. Es war aber eine nette Geste...
In der Ferne konnten wir noch Elefanten, Löwen und anderes Getier hören, als wir abends am Feuer saßen. Das restliche Fleisch musste gegrillt werden, weil der Freezer leider nur kühlt und das Haltbarkeitsdatum bereit zwei Tage überfällig war. Ich werde mit dem Vermieter mal diesbezüglich ein Wort wechseln müssen.
So langsam neigt sich unsere Reise dem Ende zu. Nach Etosha scheinen die Tage noch schneller umzugehen. Bevor es aber soweit ist, fahren wir 100km weiter zur "Okonjima Lodge". Die Lodge ist der touristische Zutritt zur Stiftung "AfriCAT" (http://www.africat.org), die sich der Aufzucht und Pflege von Wildkatzen widmen. Ziel von AfriCAT ist es, Wildkatzen außerhalb der Nationalparks anzusiedeln. Die meisten Geparden und Leoparden werden wieder in die Freiheit entlassen.
Die Lodge ist mal wieder traumhaft. Selbst nach fast drei Wochen wundern wir uns, wie im "Nichts" so etwas entstehen und eine logistische Versorgung gewährleistet werden kann. Mit im Übernachtungspreis inbegriffen sind zwei Rundfahrten. Zum einen geht es auf Leopardensuche, zum anderen auf eine Gepardenfütterung. Zunächst begegnet uns aber ein Riesenmonster: eine Dickpense. Der Körper ist mindestens 12 cm lang.
Da wir erst gegen Mittag dort eintreffen, nehmen wir am Nachmittag an der Leopardensuche teil, die nach Kaffee und Kuchen startet. Die Tiere werden in mehreren Gehegen gehalten, die eine Gesamtfläche von 3900 ha (1ha = 10000 qm) umfassen. "Gehege" ist hier also als eine sehr große Fläche zu verstehen, die mit Autos befahrbar sind und man eine Weile fahren muss, um von einem Zaun zum gegenüberliegenden zu kommen. In einem Jeep fahren wir dann los. Es handelt sich um ein Allradfahrzeug mit zusätzlichen Sitzbänken für die Gäste der Lodge. Die Leoparden sind alle mit Funkhalsbändern versehen, damit man sie orten kann. Die Ortung ist nicht nur für die Touris wichtig, sondern auch für die medizinischen Kontrolluntersuchungen, die mehrmals jährlich stattfinden. So dauert es etwa 30 min, bis wir einen Leoparden finden.
Der sitzt extrem entspannt auf einem Erdhügel und scheint für unsere Kameras zu posen. Die Sonne geht langsam unter, als wir uns auf die Suche nach einem weiteren Leoparden machen, der einen Tag vorher ein Kudu gerissen hat. Nach kurzer Suche finden wir ihn auch. Er liegt im Gras und gähnt vor sich hin. Die Sonne ist hinter dem Horizont verschwunden und es wird in schnellen Schritten richtig dunkel, als wir auf dem Heimweg zur Lodge mit dem Allradfahrzeug stecken bleiben. Ein Ameisenbär hat wohl seinen Gang ein wenig zu nah an der Oberfläche gegraben. Und da stecken wir nun drin. Nichts geht mehr. Per Funk wird ein zweites Fahrzeug gerufen, das uns aus dem Loch rausziehen muss. Das will nicht so recht gelingen, so dass die Passagiere in den Zugjeep umsteigen müssen, um ihm mehr Bodenkontraktion zu geben. Das war alle solange witzig, bis 5m neben uns auf einem Baumstumpf der Leopard auftaucht. Da wird einem doch ganz schön mulmig. Aber er hat sich die Aktion nur interessiert angeschaut und ist dann davon getrottet. Später erfahren wir von unserem Guide, dass Leoparden noch nie als Menschenfresser aufgefallen sind. Naja, irgendwann ist immer das erste Mal... umsonst führen die Guides keine Waffen mit sich.
Nachdem unser Fahrzeug befreit war, sollte es so schnell wie möglich zur Lodge zurückgehen. In der Dunkelheit Offroad zu fahren, macht keinen Spaß, denn weitere Löcher warten nur darauf, dass wir da auch reinfahren. Das einzige Problem: der Jeep, der uns befreit hat, steckte nun auch fest. Also haben wir ihn befreit und dann ging es über eine bereits befahrene Strecke zurück zur Lodge. Das Leopardengehege grenzt unmittelbar an dem Löwengehege. Wir haben die Löwen schon brüllen hören, aber als der plötzlich am Zaunrand auftaucht und uns mit Leichtigkeit verfolgt, bekommen wir schon eine gewaltige Gänsehaut. Später erfahren wir, dass der Zaun unter Strom steht und die Löwen nicht drüber springen können, noch sich drunter durchgraben können.
Die Erlebnisse werden dann beim Abendessen verarbeitet, bevor es zum "Birdhide" geht, bei dem man nicht nur Vögel, sondern auch viele andere Tiere sehen kann. Bei unserem Besuch tummeln sich zwei Stachelschweine in den Lichtkegeln der Leuchten, die in der Hütte angebracht sind. Es ist interessant, wie der Konkurrenzkampf um das Futter entbrennt.
Total müde fallen wir ins Bett und fallen in einen traumlosen Schlaf.
Bevor wir auschecken, heißt es früh aufstehen. Um 6.10h werden wir geweckt, damit wir bei der Löwenfütterung beiwohnen können. Das Areal für die Löwen ist zwar sehr groß, aber nicht so groß, dass man ein Ökosystem installieren kann, in dem die Löwen selber jagen können. Dementsprechend werden sie gefüttert. Uns stockt der Atem, als wir hinter einer Absperrung zwei männliche und ein weibliches Tier sehen. Die sind keine 10m von uns entfernt und sind einfach nur wunderschön. Ich will den Finger einfach nicht vom Auslöser der Kamera nehmen.
Nach einem kurzen Imbiss und einem Tee geht's dann um 7h los zur Gepardenfütterung. Wir fahren wieder mit dem Jeep in ein anderes großes Areal, in dem die Geparden leben. Hier erklärt uns der Guide bei der Fütterung eine Menge über Geparden und was es mit der AfriCAT-Stiftung auf sich hat. Geparden können zahm werden und so haben wir keine Angst, als einer von den Tierchen auf die Motorhaube springt und 1,5m vor uns sitzt und uns mustert...
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Irgendwann ist diese Tour auch vorbei und wir machen uns nach einem Frühstück auf den Weg nach Windhoek, nicht, ohne vorher auf den Holzschnitzermarkt in Okahandja vorbeizufahren. Da kommt man automatisch vorbei, wenn man die B1 Richtung Windhoek von Etosha kommend fährt.
In Windhoek angekommen passiert eigentlich nichts mehr. Nochmals in die Stadt zu fahren, haben wir keine Lust mehr. Schließlich ist jetzt schon Nachmittag. Also entspannen wir uns noch in der Sonne und verpacken alle Habseligkeiten in die Koffer.
TIPP: Es gibt zwei Holzmärkte in Okahandja, jeweils am Ortsein- bzw. ausgang. Von Etosha kommend können wir den Markt am Ortsausgang empfehlen. Direkt gegenüber ist eine Shell-Tankstelle. Die Mitarbeiter passen für einen kleinen Obulus auf den Wagen auf. Auch wenn wir nicht den Eindruck hatten, dass es dort gefährlich ist, ist dieser Ort nur ein Durchgang zu Beginn oder Ende einer Reise und dementsprechend ist das ganze Gepäck im Auto.... Und: Handeln ist auf dem Markt angesagt! 30-50% von dem genannten Betrag für ein Objekt sind etwa realistisch. Wer mehr bezahlt, wurde reingelegt.