Was ist meine Ausgangssituation? Wieviele Bilder habe ich eigentlich? Welche grundsätzlichen Aktivitäten erwarten mich? Wie kann ich die Bilder nach Lightroom migrieren? Diese Fragen werden in diesem Artikel beleuchtet.
Wie schon geschrieben umfasst meine Library ca 70000 Bilder. Diese Bilder sind auf 341 Projekte verteilt. Es gibt aus meiner Sicht drei Möglichkeiten, an die Sache heranzugehen:
Punkt 1 kommt nicht in Frage. So gerne ich auch Aperture mag, ich bin nicht mehr bereit, die in Teilen langsame Geschwindigkeit weiterhin zu tolerieren.
Um schnellstmöglich wieder "arbeitsfähig" zu sein, bietet sich Punkt 2 an. Sicherlich versteckt sich hinter der 1:1-Migration auch sehr (!) viel Arbeit, aber im Vergleich zu Punkt 3 geht das Ganze rasend schnell.
Punkt 3 ist der mit Abstand aufwendigste Weg der Migration. Hier muss jedes Bild angeschaut, bewertet, ggf. gelöscht oder in eine andere Struktur organisiert werden.
Bevor ich eine Entscheidung treffe, werde ich den Aufwand im Einzelnen betrachten.
Egal, ob ich den Weg "1:1" oder "Restrukturierung" wähle, gibt es gemeinsame Dogmen und Aktivitäten, die zu beachten sind und immer ausgeführt werden müssen.
Ein Migrationstool gibt es nicht.
Grundsätzlich werden Veränderungen an einem Bild in Form einer Arbeitskopie aus Aperture heraus nicht übernommen. Einzige Möglichkeit ist, eine Version als TIFF oder PSD zu exportieren. Damit wird ein neues Bild geschaffen, das die Modifikationen beinhaltet. Die Modifikationshistorie geht dabei unumgänglich verloren und einzelne Schritte können nachträglich nicht verändert werden.
Beim Wechsel auf Adobe Lightroom muss eine neue Lizenz erworben werden. Diese ist bei einem Preis zwischen 250 und 300 EUR nicht gerade ein Schnäppchen und die Investition sollte wohl überlegt sein. Adobe bietet leider keine Sonderkonditionen für Switcher an (wäre ein Lockargument!!). Es wäre nachträglich mehr als ärgerlich, wenn man neben der Zeit noch eine Menge Geld verbrannt hätte, wenn man feststellte, dass Lightroom doch nicht das Richtige ist. Glücklicherweise kann man Lightroom 30 Tage kostenlos testen.
Um den finanziellen Schmerz zu lindern, ist es möglich, eine "gebrauchte" Lightroom-Lizenz 1.x zu kaufen, die Lizensierung auf den eigenen Namen übertragen zu lassen und dann ein Update auf 3.x zu kaufen. Die Schwierigkeit darin liegt in der Verfügbarkeit der 1.x Lizenzen. Sie sind bei eBay quasi nicht zu finden. Sollte jemand Glück haben: sofort zuschlagen!
Des weiteren muss temporär genügend Speicherplatz vorhanden sein (siehe Aktivität 2), um die Bilder ggf. doppelt vorhalten zu können.
Es sollte selbstverständlich sein: das Backup. Sollte sich während oder nach der Migration herausstellen, dass Lightroom nicht das Tool der Wahl ist, kann man immer noch auf eine langsamere, aber funktionierende Version von Aperture zurückgreifen. Da die Migration aus unzähligen Einzelschritten besteht, sollte durch Zwischenbackups sichergestellt werden, dass per Backup eine Art "Undo"-Funktion vorhanden ist. Bei mir wird Apple's Time Machine die Aufgabe übernehmen. Aber Achtung: Die Aperture Library wird nur gesichert, wenn Aperture nicht läuft. Dadurch werden Inkonsistenzen vermieden.
Es ist recht einfach, den vorhandenen Schlagwortkatalog von Aperture in Lightroom zu übernehmen (später dazu mehr). Lightroom hat bei der Organisation der Schlagworte mehr Möglichkeiten. So kann für jedes Wort entschieden werden, ob es in einem Bild erscheinen soll oder nicht. Das macht Sinn bei hierarchisch organisierten Schlagworten. Beispiel:
Orte -> Afrika -> Botsuana -> Moremi WR -> Third Bridge
Sowohl Lightroom als auch Aperture würden die komplette logische Schlagworthierarchie übernehmen, wenn ich den Begriff "Third Bridge" einem Bild zuordnen würde. Suchte ich später nach Bildern aus Afrika erscheinen alle Bilder, die Schlagworte unterhalb von "Afrika" befinden würden. Allerdings macht es keinen Sinn, den Oberbegriff "Orte" zu übernehmen. In Lightroom kann ich diesen Begriff bei einer Begriffsvergabe bei einem Bild ausklammern.
Aperture bietet zwei Möglichkeiten, Bilder zu verwalten: innerhalb der Aperture Library oder referenziert auf Bilder, die im Dateisystem liegen. Es kann im zweiten Fall möglich sein, dass Bilder nicht in demselben Ordner liegen und lediglich in einem Album oder Projekt zusammengefasst sind. Daher ist es in jedem Fall zwingend notwendig, die Masterfiles aus Aperture zu exportieren, um sie in Lightroom anschließend zu importieren. Dadurch wird sichergestellt, dass alle Bilder am richtigen Platz im Dateisystem sind und keine Bildleichen übrig bleiben.
Aus meiner Sicht sollte sich der Migrationsaufwand lohnen. Um einen zusätzlichen Mehrwert zu erzielen, werde ich den richtig aufwendigen Weg gehen und die Bilddaten neu strukturieren und neu verschlagworten. Dabei werde ich die Bilder bewerten und unnötig viele Versionen innerhalb eines Stacks löschen. Dabei erwarte ich eine Reduzierung der Bildzahl um mindestens 50%. Ich bin gespannt, wie das Endergebnis aussehen wird.
Im nächsten Artikel werde ich mich mit der möglichen Neustruktur der Bilder befassen.