Nach meinem Umstieg von Canon nach Nikon und der Kennenlernphase war es dringend an der Zeit, endlich wieder Panoramen für meine kleine Firma konzept360 anfertigen zu können. Dazu muss mein Manfrotto 303 SPH Panoramakopf auf den Nodalpunkt der aktuellen Kamera und dem verwendeten Objektiv justiert werden. Die Panoramen sollen nun mit der Nikon D700 und dem Nikkor AF-S 14-24mm angefertigt werden. Soweit zu den Hardwarevoraussetzungen.
Ich hatte ja keine Ahnung, dass auch in der heutigen Zeit in diesem umkämpften Marktsegment "Stative und Stativköpfe" die Begriffe "Service" und "Kundenfreundlichkeit" immer noch einen weit reichenden Interpretationsspielraum bieten.
Zur Information: Ein 360x180 Grad Panorama wird aus mehreren Bildern angefertigt. Dazu wird die Kamera auf einen speziellen Stativkopf montiert und um die eigene Achse um einen zuvor festgelegten Winkel gedreht. Die Bilder werden später mit Hilfe von Panoramasoftware zu einem einzigen Bild zusammgefügt.
Wozu benötigt man denn dafür einen speziellen Stativkopf? Um diese Frage zu beantworten, benutze ich gerne folgende Analogie: schließe abwechselnd das rechte und das linke Auge, ohne den Kopf zu bewegen. Durch die unterschiedliche Blickwinkel der Augen kommt es zu einer scheinbaren Verschiebung von Objekten. Dasselbe passiert, wenn die Kamera außerhalb des Nodalpunktes um ihre Achse gedreht wird. Das Ergebnis ist, dass die Bildränder nicht deckungsgleich sind und somit nicht zusammengefügt werden können.
Der Nodalpunkt ist das "optische Zentrum" eines Objektivs. Man kann es mit dem Brennpunkt eines Vergrößerungsglases vergleichen. Ein Stativkopf wie mein Manfrotto SPH 303 stellt sicher, dass der Nodalpunkt bei der Rotation der Kamera um ihre Achse immer im Zentrum befindet.
Das Ermitteln des Nodalpunktes kann eine zeitraubende Veranstaltung werden, zumindest, wenn man ein höheres Maß an Genauigkeit anlegt. Als ich versuchte, den Nodalpunkt des AF-S 14-24 zu finden, konnte ich noch nicht ahnen, welchen kargen Weg an Servicequalität ich beschreiten sollte.
Bei der Justage des Manfrotto 303 SPH ergab sich schnell, dass der Nodalpunkt sehr nah hinter der Frontlinse befindet. Leider ist die Kamera mit aufgesetzem Objektiv zu lang für die Schenkel des Stativkopfes und so ist es unmöglich, die benötigte Aufnahme in Richtung Himmel zu schießen (siehe Foto). Diese Aufnahme ist notwendig, um das Panorama zu einem Kugelpanorama zu wandeln, in dem man sich später interaktiv bewegen und damit auch nach oben zum Himmel blicken kann.
Eigentlich sollte dies eine recht einfache Sache sein. Der senkrechte Schenkel muss verlängert werden. Das einzige schwierige ist, die benötigten Bohrungen für die Halterung an den passenden Stellen anzufertigen.
Die erste Adresse für eine solch kühne Anfrage ist - man könnte es vermuten - der Hersteller selber.
Am 21.02.2010 sendete ich folgende Anfrage an Manfrotto
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin Besitzer des Panoramastativkopfes 303SPH und habe ein Problem. Durch den Umstieg auf ein Nikon 14-24mm Objektiv ist es nicht mehr möglich, die Kamera in eine senkrechte Position zu drehen (siehe Fotos im Anhang), da der Nodalpunkt in der Frontlinse des Objektivs liegt. Das Grundgerüst des Stativkopfes hat das Aussehen eines "L", wobei der senkrechte Teil des "L" zu kurz ist (im Foto das Teil mit dem "konzept360"-Aufkleber. Gibt es eine Möglichkeit, dieses in einer längeren Fassung zu bekommen? Ich bin bisher sehr zufrieden mit Produkten aus Ihrem Haus und würde ungerne auf ein Konkurrenzprodukt umsteigen müssen.
Mit freundlichen Grüßen,
Holger Turck
Anmerkung: das Foto im Anhang sieht man weiter oben im Artikel.
Am 01.03.2010, also sechs Werktage später (Werktag hier: Mo-Fr), bekomme ich von einem Mitarbeiter der Abteilung "Vertrieb Innendienst" folgende Antwort:
Sehr geehrter Herr Turck
Ich habe Ihr Problem an die Entwicklungsabteilung in Italien weitergeleitet.
Ich werde Sie sofort informieren sobald ich aus Italien eine Nachricht habe.
Aufgrund der Vorbereitung zur Photokina kann es zu einigen Verzögerungen kommen.Ich bitte Sie um etwas Nachsicht.
Mit freundlichen Grüßen
Interessanterweise hängt der interne Mailverkehr gleich mit an der Mail. Dort kann man durchaus sehen, dass meine Mail direkt am 21.02.2010 gelesen und an den besagten Vertriebsmitarbeiter weitergeleitet wurde. Mein erster Gedanke ist: WOW, der Vertrieb ist ECHT auf Zack! Nur sechs Tage für eine kurze Antwort!
Ich übe mich in Geduld... und warte...
Am 17.03.2010 ist meine Geduld zuende. Inzwischen sind 12 Werktage vergangen. Meine Frage bezog sich nicht auf die Neukonstruktion eines komplett neuen Stativkopfes, sondern nur auf ein einzelnes Metallteil eines bestehenden Produktes. Von Raketenwissenschaft kann hier definitiv nicht die Rede sein.
Ich frage bei dem freundlichen Vertriebsmitarbeiter per Mail nach:
Hallo Herr [xxx],
gibt es neue Informationen?
Beste Grüße,
Holger Turck
Man könnte vermuten, dass Manfrotto heimlich eine ganze Halle auf der kommenden Photokina gemietet und sich mit den Vorbereitungen übernommen hat, denn auf eine Antwort warte ich noch heute.
Say Goodbye to Manfrotto, say Hello to Really Right Stuff.