NIKKOR 14-24 mm 1:2,8G ED vs. AF-S NIKKOR 16-35mm 1:4G ED VR

29.03.2010 - 22:25
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D700, Nikkor 14-24 f2.8 FrontsichtZwei Ultaweitwinkel im Vergleich 

Seit Februar 2010 ist das neue Nikkor 16-35 1:4G ED VR verfügbar. Es ist das erste Ultraweitwinkelobjektiv, das mit einem Bildstabilisator ausgestattet ist. Es handelt sich bei dem Stabilisator um den neuen VR II, der auch in dem neuen Nikkor 70-200 f2.8 Verwendung findet. Was die Brennweite betrifft, tritt das Nikkor 16-35 in direkte Konkurrenz zu dem seit längerem verfügbaren Nikkor 14-24. Dieser Artikel befasst sich mit den offensichtlichen Unterschieden des Outputs, der mit beiden Objektiven erzielt werden kann.

D700, Nikkor 14-24 f2.8 SeitenansichtScope

Ich werde nur alltagstaugliche Versuche anstellen. Versuchsreihen, die anschließend schicke Grafen liefern, wird man hier vergeblich suchen. Es gilt herauszufinden, wie viel 2mm Brennweite an einer Vollformatkamera WIRKLICH ausmachen. Ich gehe der Fragestellung nach, ob sich die erkauften vermeintlichen Nachteile die scheinbaren Vorteile aufwiegen. Anschließend untersuche ich die Randschärfen beider Objektive bei unterschiedlichen Blenden. Ist f2.8 wirklich schärfer als f4? Wie sieht es bei f8 aus? Diesen Fragen wird nachgegangen. Abschließend werfe ich noch einen Blick auf die Naheinstellgrenze beider Objektive. Als Body kommt eine Nikon D700 zum Einsatz.

D700, Nikkor 16-35 f4 VR FrontsichtDie Testkandidaten

Das Nikkor 14-24 ist mit etwa 13,2cm Gesamtlänge etwas länger als das Nikkor 16-35 (12,5 cm). Die Differenz der Objektivlänge ist im Gegensatz zur Objektivöffnung zu vernachlässigen. Der augenscheinlichste Unterschied ist die Objektivöffnung: Das Nikkor 14-24 kommt mit einem Linsendurchmesser von satten 8 cm und einer stark gebogenen Frontlinse daher (Gesamtduchmesser 9,8cm), während das Nikkor 16-35 einen Gesamtdurchmesser von ca 8,3 cm aufwartet. Der Filterdurchmesser sind mit 77m kompatibel zu anderen Objektiven der Nikon Oberklasse, wie z.B. das Nikkor 24-70 f2.8 oder das Nikkor 70-200 f2.8. Auch beim Gewicht gibt es größere Unterschiede. Durch die deutlich höhere Glasmenge, die offensichtlich beim Nikkor 14-24 verbaut wurde, ist das Objektiv mit etwa 1000g ein kleines Schwergewicht, vor allem, weil der Schwerpunkt der Linse auf der Frontlinse liegt. Dagegen ist das Nikkor 16-35 mit 685g eher zierlich.

D700, Nikkor 16-35 f4 VR SeitenansichtVersuchsaufbau

Als Ausblick wird mein heimisches Wohnzimmerfenster herhalten. Das Fenster und die Fensterladen geben genügend senkrechte und waagerechte Linien, die eine Verzeichnung der Objektive gut darstellen. Darüber hinaus platziere ich in die Ecken des Fensters Objekte, um die Randschärfe zu untersuchen. Um einen Vergleich ziehen zu können, wird die Nikon D700 auf ein Stativ montiert. Die Linsen werden jeweils für die Versuchsaufnahmen getauscht. Dadurch wird sichergestellt, dass die Bildebene identisch bleibt und dadurch der Unterschied in der Brennweite messbar wird. Um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen, werden alle Bilder in RAW aufgenommen und in Apple Aperture lediglich als JPG gewandelt. Die Bilder werden im A-Modus (Blendenvorwahl) bei ISO 200 aufgenommen.

14-24 vs 16-35Unterschied 14mm zu 16mm

Es ist schwierig, eine Vorstellung davon zu entwickeln, wie sehr sich der Unterschied von 2mm Brennweite tatsächlich auf den Bildausschnitt auswirkt. Die Beispielbilder zeigen, dass der Unterschied deutlicher ausfällt als vermutet. Beide Objektive sind gleichauf, was eine Verzeichnung durch den extremen Weitwinkel angeht. Dies zeigt einmal mehr die Wertigkeit des Nikkor 14-24. Damit schafft es Nikon, die Verzeichnung trotz des extremen Weitwinkels sehr niedrig zu halten.

 

14-24_f8_Fullsize16-35_f8_Fullsize

Randschärfe

Sucht man im Internet nach Berichten vom Nikkor 16-35, findet man einige Reviews und etliche Meinungen. Viele Meldungen berichten von einer Randunschärfe des Nikkor 16-35 bei 16mm und Offenblende. Dem wollte ich auf den Grund gehen und habe ein paar Testaufnahmen gemacht. Wer sich die vorherigen Bilder angeschaut hat, wird festgestellt haben, dass ich am Rand ein Buch platziert habe. Dies dient dem Schärfevergleich.

Da in keinem Review, das ich finden konnte, bei dem Nikkor 14-24 von etwas von Randunschärfen zu finden war, nehme ich einen 100% Bildausschnitt als Referenz (Blende f8).

14-24_f8_Rand_100_Prozent

 Daneben setze ich einen 100% Ausschnitt des 16-35 bei Blende f8

16-35_f8_Rand_100_Prozent

Aus meiner Sicht ist bei der gewählten Blende die Schärfe beider Objektive annhähernd vergleichbar, auch wenn das Nikkor 14-24 ein klein wenig schärfer zu sein scheint. Die Frage ist nun, ob es zu einem Abfall der Schärfe bei Offenblende kommt. Hier der entsprechende Bildausschnitt bei Blende f4.

16-35_f4_Rand_100_Prozent

Es kommt zu einem deutlichen Schärfeverlust des Nikkor 16-35 bei f4. Ob dies die Kaufentscheidung beeinflusst, mag jeder für sich entscheiden. Aus meiner Sicht gleichen die Beschwerden eher einem Gejammer auf hohem Niveau. Ich habe dem Artikel die Originalaufnahmen angehängt, sodass sich jeder einen eigenen Eindruck verschaffen kann.

 Naheinstellgrenze

Naheinstellgrenze AufbauNikon gibt bei beiden Objektiven eine Naheinstellgrenze von 0,28m über den gesamten Zoombereich an. Dies scheint ein sehr pessimistischer Wert zu sein. Ich habe beide Objektive und Kamera über ein paar Blumen platziert. Nebenbei bemerkt ist mir bei dieser Gelegenheit aufgefallen, dass ich mir dringend eine kürzere Mittelsäule für mein Gitzo-Stativ besorgen muss, um mit dem Stativ mehr in Bodennähe zu gelangen. Wer eine solche spenden will, möge sich bei mir melden :) Zurück zum Thema:  Der Abstand zwischen Ftontlinse zum Objekt betrug etwa 12cm. In beiden Fällen konnte der Autofokus die Blumen fokussieren. Auch im Quasi-Makromodus gibt es einen sehr offensichtlichen Unterschied zwischen 14mm und 16mm Brennweite, wie beide unten stehende Testaufnahmen beweisen.

 Naheinstellgrenze_14-24_f8Naheinstellgrenze_16-35_f8

Filter

Fotografen, die oft ND-, Pol oder andere Filter einsetzen, werden bei dem Kauf eines Nikkor 16-35 keine Probleme bekommen. Alle Filter mit einem Durchmesser von 77m können auf das Objektiv geschraubt werden. Ebenso wenige Probleme gibt es bei Steckfiltern wie z.B. die ND-Grad-Filter von Singh-Ray, da es eine entsprechende Halterung für wenig Geld zu kaufen gibt.

Anders sieht es bei dem Nikkor 14-24 aus. Durch die große, gebogene Frontlinse war es bisher nicht möglich, mit Filtern zu arbeiten. Dies ändert sich in naher Zukunft. Die Firma Lee stellt eine Adapterhalterung für das Objektiv bereit. Wie breit das Angebot an Filtern ist oder wie teuer die Halterung wird, ist noch nicht bekannt. Eines ist allerdings klar: Während man bei einem Objektiv mit 77mm Durchmesser zu den preiswerteren 84x120mm-Filtern greifen kann, braucht man bei dem Nikkor 14-24 Filter mit einer Größe von 100x150mm, die 50% teurer sind.

Fazit

Es ist sehr schwierig, einen Vergleich zu ziehen. Das Nikkor 14-24 ist lichtstärker, offensichtlich ein wenig schärfer und etwa 1500 EUR teuer. Das Nikkor 16-35 hat "Normalmaße", ist dadurch filtertauglich, ist deutlich leichter und mit etwa 1100 EUR deutlich preiswerter (Preise Stand 29.03.2010 per guenstiger.de ermittelt). Für beide Objektive gibt es gute Gründe und Einsatzgebiete.

AnhangGröße
14-24_f8_Fullsize.jpg12.52 MB
16-35_f4_Fullsize.jpg11.55 MB
16-35_f8_Fullsize.jpg11.54 MB
Naheinstellgrenze_14-24_f8.jpg12.41 MB
Naheinstellgrenze_16-35_f8.jpg11.18 MB
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